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Freiheit

Kürzlich hatte ich einen Traum. Ich stand vor einer  Menschenmenge. Gespannt schauten mich die Gesichter an. Etwas sehr wichtiges wollte gesagt werden. Und so setzte ich an, meine Rede zu halten: «Ich habe eine Nachricht für euch» Die Bedeutungsschwere meiner Worte war greifbar, dies musste zweifelsohne sehr wichtig sein.

 

Gespannt lauschte ich auf mich: «Ich habe eine Nachricht für euch» die Blicke der Menschen wurden immer eindringlicher.

 

«Ich habe eine Nachricht für euchIHR SEID FREI»

 

Was? Das war es? Drei Worte: Ihr seid Frei.

 

Ich war enttäuscht, hatte ich doch selber gehofft, dass im Traum vielleicht eine tiefere Wahrheit zu mir kommt. Ob das Publikum enttäuscht war? Ich weiss es nicht mehr.

 

Der Traum begleitet mich, immer wieder schweifen meine Gedanken zur Erinnerung an diesen Traum. Ihr seid frei.

 

Was bedeutet es denn eigentlich? Frei sein? Bin ich frei?

 

Oft in meinem Leben habe ich die Begrenzung der Sprache als Einschränkung gespürt, als etwas, dass mich von anderen trennt, anstatt mich mit ihnen zu verbinden. Kommunikation wurde so oft zum Mittel, das Unverständnis geschürt hat. Meine Nachrichten wurden falsch empfangen und auch ich konnte Nachrichten nicht richtig interpretieren, gab es doch zu viele mögliche Bedeutungen. Nein, die Sprache macht nicht frei.

 

Auch meinen Körper nehme ich oft als einschränkend wahr. Meinen gesunden, starken Körper, der rennt, springt und lacht. Ich spüre seine Begrenzungen. Meine Finger greifen etwas, berühren einen anderen Menschen, ein Hauch von Verbundenheit, aber unsere Körper werden sich wieder trennen, wir werden niemals eins sein, wir werden niemals verschmelzen.

 

Liegt die Freiheit im Inneren? Liegt sie in unseren Gedanken – die Gedanken sind frei – sind sie das? Keiner kennt meine Gedanken, so habe ich das Gefühl, dass sie mich frei machen, sie sind mein Geheimnis. Aber sind die Gedanken frei? Kann ich nicht nur das denken, was ich kenne, erfahren habe, was mich mein Leben lang geprägt hat? Meine Gedanken erzählen mir Geschichten, manchmal Geschichten von Freiheit. Aber frei sind sie nicht.

 

Vielleicht liegt in diesen drei Worten doch eine wichtige Nachricht, eine Nachricht, die ich doch selber noch nicht begreifen mag. Ist es nicht das ultimative Streben des Menschen, frei zu sein?

 

Ich erinnere mich noch an meine erste Philosophiestunde in der Oberstufe. Wir diskutierten darüber, ob wir als Menschen frei sein können. Schon damals hatte ich dazu die Meinung, dass wir als menschliche Wesen Begrenzungen unterliegen, die es uns nicht ermöglichen, wirklich frei zu sein.

 

Schauen wir in die Philosophie, so gehört Freiheit“ zweifelsohne zu den grossen Worten vieler Philosophen. Für Johann Gottlieb Fichte beispielsweise, war der Freiheitsbegriff das Fundament aller philosophischen Grundfragen. Ebenso war Martin Heidegger der Ansicht, dass es bei der Freiheit darum geht, ins Ganze“ zu fragen und das so der Freiheitsbegriff auch grundlegend für viele andere philosophische Fragen ist.

 

Das Wort Freiheit“ wird in seiner Grundbedeutung unter anderem definiert mit Selbstbesitz, ein Selbstsein-Können vor allem auch im Vergleich zum Anderen, zum Fremden, zum möglicherweise Undurchschauten und Unbeherrschten. In diesem Sinne wurde bereits im Platonismus das Wort frei“ mit die Herrschaft über sich“ definiert, während man Freiheit“ als selbständige Lebensführung“ verstehen konnte.

 

Im Determinismus hingegen ist am Ende derjenige Frei“, der nicht mehr Urheber von Veränderungen sein will, der gar nicht erst auf die Alternative sinnt, vielmehr das Unabänderliche sogar zu schätzen gelernt hat. Frei ist im Determinismus also eher jemand, der eigentlich gar nichts mehr will, sondern einfach annimmt, was ist.

 

Ich frage mich, ob es überhaupt eine einheitliche Definition von Freiheit geben muss, ja überhaupt geben kann. Ist nicht einfach frei, wer sich frei fühlt?

 

Oder ist die wahre Freiheit, frei zu sein von den Gedanken, frei zu sein vom Körper und frei zu sein von der Sprache?

 

Am Ende kommt wohl dies für mich der Freiheit am nächsten:

Die Freiheit die Konzepte, die wir über diese Welt haben loszulassen.

Die Freiheit die Ideen, die ich über mich habe loszulassen.

Die Freiheit mein Denken darüber, wie ich als Person oder wie das Leben sein sollten loszulassen.

 

Es ist die Freiheit einfach zu sein.

 

Ihr seid frei.

 

 

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Comments: 2
  • #1

    Sandra Schättle (Tuesday, 24 November 2020 15:10)

    Frei von allen Anhaftungen?

    Frei nach Buddha

  • #2

    Conny (Tuesday, 24 November 2020 17:08)

    Oder dir deiner Anhaftungen bewusst sein und sie als Mensch frei wählen und frei wieder loslassen